»SCHLIESSEN STATT SCHIESSEN« Liebe
Friedensfreundinnen und Friedensfreunde! Der Tod ist
ein Meister aus Oberndorf! Denn hier, bei der Firma Heckler & Koch, wurde das
Schnellfeuergewehr G3 entwickelt, wurden von H&K und den Bundesregierungen 15 Lizenzen
zum G3-Nachbau in aller Welt gegeben, wurden G3-Gewehre offiziell an mindestens 80 Staaten
exportiert. Seither morden Soldaten und Guerillaeinheiten in der Türkei, in Somalia, im
Sudan, in Mexiko, im Iran und im Irak und an vielen anderen Krisen- und Kriegsgebieten mit
dem G3. Alle vierzehn Minuten stirbt ein Mensch durch eine Kugel aus dem Lauf einer
Heckler & Koch-Waffe. Mehr als 1,5 Millionen Menschen sind bis heute mit
H&K-Waffen erschossen worden, unzählige verwundet und verstümmelt. Geht es nach
dem Willen der H&K-Geschäftsführung, dann wird das Morden mit deutschen Waffen auch
in Zukunft kein Ende nehmen: Die blutige »Erfolgsgeschichte« des G3 droht sich zu
wiederholen - mit dem neuen OICW-Gewehr, das für die Armee der Vereinigten Staaten von
Amerika produziert wird, und mit dem treffgenauen G36-Gewehr. Damit genau
das nicht passiert, fordern wir heute: SCHLIESSEN STATT SCHIESSEN! Heckler & Koch muss
geschlossen werden, damit nicht noch mehr Menschen mit H&K-Waffen erschossen werden! Mit der neuen
Generation von Handfeuerwaffen wird Heckler & Koch seine Position als bislang
drittgrößter Handfeuerwaffenhersteller der Welt weiter ausbauen. Die neuen Gewehrtypen
G36, XM8 und OICW, der Granatwerfer XM25, die Maschinenpistole MP7 und viele weitere neuer
so genannter »Wunderwaffen« sollen sich in den kommenden Jahren zu Verkaufsschlagern
entwickeln so jedenfalls der Wunsch der H&K-Geschäftsleitung. Dass aus
legalen Waffen durch Reexporte, Schwarzmarktverkäufe und Beutefänge schnell illegale
Waffen werden, ist weithin bekannt. Waffen von Heckler & Koch sind auch bei
Terroristen beliebt. So mordete bereits die Rote Armee Fraktion (RAF) in den Achtziger
Jahren mit H&K-Handfeuerwaffen. Guerillaorganisationen wie der peruanische Sendero
Luminoso oder der militärische Arm der kurdischen Untergrundorganisation PKK schossen mit
H&W-Waffen auf Regierungseinheiten, die das Feuer ihrerseits mit ganz legal
gelieferten H&K-Gewehren erwiderten. Im März 2003
wurde der serbische Ministerpräsident Goran Djindjic mit einem G3-Scharfschützengewehr
ermordet. In den vergangenen Monaten gingen die Bilder um die Welt, wie palästinensische
Untergrundkämpfer Rache gegen israelische Bombenwerfer schworen. Dabei streckten sie
siegessicher ihre MP5-Maschinenpistolen in die Höhe entwickelt von Heckler &
Koch. In den letzten
Tagen erreichten uns die Fernsehbilder Not leidender und hungernder Menschen aus dem
Sudan. Sie wurden mit Waffengewalt von Guerillaeinheiten aus ihren Dörfern vertrieben.
Diese Mörderbanden hielten den westlichen TV-Kameras ihre Gewehre entgegen.
Typischerweise waren dabei immer wieder zwei Waffentypen erkennbar: die Kalaschnikow und
das G3-Gewehr. Die
Ausfuhrpolitik der Bundesregierung, die laut aktuellem Rüstungsexportbericht vor
Exportgenehmigungen für Kleinwaffen in Spannungs- und Bürgerkriegsgebiete wie Nepal,
Saudi-Arabien, Israel und die Türkei nicht zurückschreckt, lässt das Schlimmste
befürchten. Wir wollen,
dass den Mörderbanden in aller Welt die Werkzeuge entzogen werden, mit denen sie ihre
blutigen Taten verüben. Deshalb fordern wir den STOPP ALLER RÜSTUNGEXPORTE! Längst ist
nicht immer klar zu trennen, wer Jäger und wer Gejagter, wer Demokrat, Scheindemokrat
oder Diktator, wer Terrorist und wer Terroristenjäger ist. Eines aber verbindet sie alle:
Sie schießen mit Vorliebe mit den treffgenauesten Mordinstrumenten der Welt: Waffen, die
hier bei Heckler & Koch in Oberndorf am Neckar entwickelt worden sind oder werden. Wir wissen,
dass auch Kindersoldaten mit G3-Gewehren schießen. Allerdings sind die alten G3-Gewehre
zu schwer, um zur Standardwaffe von Kindersoldaten zu werden. Das Problem lässt sich
lösen. Denn die neue Generation von H&K-Waffen zeichnet sich nicht nur durch eine
wesentlich höhere Treffgenauigkeit gegen »Weichziele« - so die Sprache der zynischen
H&K-Werbung - aus, sondern auch durch eine spürbare Gewichtsverringerung. Wir fordern
ein Ende der Waffenentwicklung bei Heckler & Koch. Gewehre und Maschinenpistolen
gehören weder in Kinderhände, noch in die Hände mordender Soldaten! Noch ist
Heckler & Koch die Nummer drei unter den Gewehrproduzenten. Mit der neuen
Waffengeneration besteht die Gefahr, dass H&K weltweit zur Nr. 1 avanciert. Um das zu
verhindern, haben sich Friedens- und Menschenrechtsorganisationen, humanitäre wie
kirchliche Organisationen im Deutschen Aktionsnetz Kleinwaffen Stoppen (DAKS)
zusammengeschlossen. Wir haben den
DAKS-Fonds gegründet und bitten im Namen der Opfer um finanzielle Unterstützung. Mit den
in den Fonds eingezahlten Geldern, wollen wir die Opfer von H&K-Waffen nach Berlin
einladen, damit sie über die Folgen der Rüstungsexportpraxis der Bundesregierung in
ihrem Heimatland und in ihrer Familie erzählen können. Und wir wollen den Opfern von
H&K-Waffen hier in Oberndorf Stimme und Gesicht geben. An die Stelle der
Waffenproduktion soll die Fertigung sinnvoller ziviler Produkte treten. Doch die
Geschäftsleitung von Heckler & Koch hat in den letzten Jahren gezeigt, dass sie zur
Umkehr nicht bereit ist. Deshalb kann
unser Motto nur lauten: SCHLIESSEN STATT SCHIESSEN! Ein erstes Zeichen wollen wir heute
mit unserer symbolischen Schließaktion setzen. Vielen Dank. Jürgen Grässlin, Sprecher des Deutschen
Aktionsnetz Kleinwaffen Stoppen (DAKS) |