»Ländersache: Baden-Württemberg« Jürgen Grässlin
hat sich bundesweit einen Namen als
Rüstungsgegner gemacht, als Gründer zweier »Rüstungsbüros«, als Buchautor und nicht
zuletzt als ein Wortführer der »Kritischen Aktionäre« von Daimler-Benz (die sich vor
Jahren durch Kauf einer Aktie Zutrittsrecht zur Daimler-Hauptversammlung verschafft haben,
um dort ausführlich ihre Positionen darzulegen). Bis heute hat Grässlin weder seinen
Frieden mit dem Kapitalismus gemacht noch ist er, nicht einmal beim Thema Bosnien, von
seinen pazifistischen Positionen abgerückt. Nun allerdings verwirrt er Freund und Feind,
jedenfalls solche, die nicht damit klarkommen, wenn einer die Schützengräben verläßt:
Grässlin schreibt ein Buch über Jürgen Schrempp. Speziell zu diesem Zweck hat er sich
mit dem Vorstandsvorsitzenden von Daimler-Benz persönlich ein paar Mal getroffen. Was
für beide keine neue Erfahrung ist, denn seit Jahren begegnen sich der linke
Friedensaktivist und der systemkonforme Top-Manager in kleinem Kreis oder gar auf
Spaziergängen zu zweit, um Informationen und Meinungen auszutauschen. »Wir reden eben
wie zivilisierte Menschen miteinander, bei aller Unterschiedlichkeit der Standpunkte«,
pflegt Grässlin jenen zahlreichen Leuten im eigenen Lager zu entgegnen, die da Anbiederei
oder gar Verrat wittern
(he) Frankfurter Rundschau vom 24.12.1997 |