Zeitungsbericht »Der ewige Streit zweier
Freiburger« in Badische Zeitung vom 26.11.2005
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Der ewige Streit
zweier Freiburger
In seinem Buch
stellt Jürgen Grässlin Noch-Daimler-Chef
Schrempp ein vernichtendes Zeugnis aus
Von unserem Redakteur Jörg Buteweg
FREIBURG. Der
Freiburger Jürgen Grässlin lässt kein gutes Haar an der Arbeit des Freiburgers Jürgen
Schrempp. Und doch - leichte Sympathie schimmert durch in Grässlins Abrechnung mit zehn
Jahren Schremppscher Herrschaft bei Daimler-Benz und Daimler-Chrysler. Zumindest in den
ersten Jahren habe ihm Schrempp - trotz grundverschiedener Standpunkte - in seiner
kommunikativen Art imponiert, sagt Grässlin selbst.
Doch dann habe die Macht
Schrempp verändert, er sei dünnhäutiger geworden habe sich mehr und mehr abgeschottet.
Jenseits der persönlichen Beziehungen zwischen Vorstandschef und kritischem Aktionär -
Grässlins Bilanz von zehn Jahren Schrempp als Vorstandschef von Deutschlands größtem
Industriekonzern fällt vernichtend aus. Um das zu belegen, muss sich Grässlin gar keine
große Mühe machen. Er misst Schrempp an dessen vollmundig verkündeten Zielen - die alle
verfehlt wurden. Er wolle den Unternehmenswert steigern, hatte Schrempp beispielsweise den
Aktionären versprochen, wie er überhaupt als Vorkämpfer für den so genannten
Shareholder-Value auftrat.
Tatsächlich hat Schrempp
hauptsächlich Geld vernichtet. Dazu zwei Zahlen. Kurz nach der Fusion von Daimler-Benz
und Chrysler notierte die Daimler-Chrysler-Aktie bei knapp 100 Euro. Jetzt liegt sie bei
weniger als 43 Euro. Mit dieser Kritik an Schrempp und Daimler-Chrysler-Aufsichtsratschef
Hilmar Kopper, der Schrempps Kurs stets stützte, steht Grässlin nicht allein. Sie wird
von vielen Analysten, Branchenkennern und Kommentatoren geteilt. Das gescheiterte
Engagement beim japanischen Autobauer Mitsubishi, der verlustträchtige Kleinstwagen
Smart, die schwer verkäufliche Luxuslimousine Maybach, die Qualitätsprobleme der Marke
Mercedes - permanent stellt Grässlin hoch fliegende Versprechen und Fakten gegenüber.
Sein Buch ist zwar sehr zahlenlastig, aber in der Zusammenschau informativ, auch Details
wie die Vorstandsgehälter von 1995 (11,9 Millionen Mark Vergütung für zehn Vorstände)
bis 2004 (31,6 Millionen Euro für zwölf Vorstände).
Grundlegend Neues finden
Leser in diesen sechs Kapiteln nicht. Neu und brisant sind zwei Kapitel, in denen
Grässlin Dieter Zetsche angeht, der zum Jahreswechsel Schrempps Nachfolge als Konzernchef
antritt. Für Grässlin ist auch Zetsche mit Graumarktgeschäften vertraut. Darunter
versteht man Verkäufe des Herstellers an seinen etablierten Händlern vorbei. Solche
Geschäfte sind nicht strafbar, auch wenn sie den Händlern missfallen, denn denen
entgehen Einnahmen. Daimler-Chrysler hat immer betont, keine Graumarktgeschäfte zu
betrieben, sie sogar zu bekämpfen.
Grässlin schreibt dagegen,
Daimler-Chrysler habe in großem Stil Graumarktgeschäfte betrieben, um die hohe
Fahrzeugproduktion in den Markt zudrücken. Er beschreibt, wie Graumarktgeschäfte
offenbar abliefen und stützt sich dabei auf Informationen eines Graumarkthändlers.
Grässlins Informationen legen nahe, dass Zetsche in einer Zeugenaussage während einer
Gerichtsverhandlung gegen diesen Graumarkthändler eine falsche Darstellung gegeben hat.
Der
Daimler-Chrysler-Konzern nimmt weder zu Grässlins Buch noch zu den Details darin
Stellung. Zetsche geht allerdings jetzt juristisch gegen Grässlin vor. Dieser reagiert
gewohnt kampfeslustig: »Ich lasse mir keinen Maulkorb verpassen und werde die Sache
gegebenenfalls bis zum Bundesverfassungsgericht durchfechten.«
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