Radiointerview Susanne Kurz mit JG,
gesendet im Südwestrundfunk SWR 4 anlässlich
der Buchpräsentation »Das Daimler-Desaster«
am 09.11.2005 im Literaturhaus Stuttgart
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Schrempp
Radiointerview
Susanne Kurz mit JG,
gesendet im Südwestrundfunk SWR 4 anlässlich
der Buchpräsentation »Das Daimler-Desaster«
SK: »Jürgen Grässlin hat
unangenehme Wochen hinter sich. Sein Haus wurde durchsucht, Festplatten seines Rechners
wurden mitgenommen und er musste sich einem stundenlangen Verhör unterziehen. Zudem gibt
es verschiedene Unterlassungserklärungen. Das alles, weil er ein Buch geschrieben hat.«
JG: »Das finde ich schon
hanebüchen. Denn ich war derjenige, der die BaFin, die
Finanzdienstleistungsaufsichtsbehörde in Frankfurt informiert hat, dass wohl
Insidergeschäfte bei DaimlerChrysler im Zusammenhang mit dem Rücktritt von Herrn
Schrempp stattgefunden haben. Es kann ja wohl nicht sein, dass der Aufklärer, der
Informant, nachher zum Täter gemacht wird. Die Hausdurchsuchung wurde begründet mit der
Tatsache, dass ich Insider gewesen sein könnte, Informant, der dann sozusagen eine
aktienrelevante Information weiter gegeben hat. Halte ich für abstrus, absolut abstrus,
denn ich besitze eine einzige Aktie und habe keine zweite erworben.«
SK: »In seinem neuen Buch
wirft der Freiburger Autor dem ehemaligen Konzernchef Jürgen Schrempp totales Versagen
vor.«
JG: »Er hat gesagt: Die
Bilanzen werden steigen, der Aktienkurs wird steigen, das Gegenteil war der Fall. Der
Aktienkurs ist verfallen auf ein Drittel. Er hat gesagt, die Fusion - die Übernahme - von
Chrysler durch Daimler würde Arbeitsplätze schaffen. Ganz im Gegenteil: Wir haben ca.
80.000 Arbeitsplätze abgebaut. Herr Schrempp hat viele Versprechungen gemacht in dieser
Richtung: Mitsubishi wird ein ganz wunderbares Verhältnis werden und die Welt AG voran
bringen, Chrysler wird Kapital bringen und nicht vernichten, wir werden aus der Rüstung
aussteigen. Weiterhin ist DaimlerChrysler mit Abstand der größte deutsche
Rüstungsproduzent und -exporteur - und und und. Dazu braucht man wirklich ein Buch, um
das dazustellen. All diese Versprechungen sind nicht eingehalten worden, so dass ich mich
als Aktionäre von Herrn Schrempp über Jahre hinweg - sagen wir es einmal moderat - nicht
fair, nicht offen und nicht korrekt behandelt fühle. Man könnte es wesentlich härter
ausdrücken.«
SK: »Eine schriftliche
Abrechnung also?«
JG: »Das Buch ist
sicherlich investigativer Journalismus. Ich habe heftig recherchiert über anderthalb
Jahre, mich mit Konzernmitarbeitern, Beschäftigten getroffen, die durchaus bereit waren,
auszupacken.«
SK: »Zum Beispiel auch
über den Fall des Spediteurs Schweinle.«
JG: »In meinem Buch
dokumentiere ich pars pro toto, also ein Fall für viele, wie DaimlerChrysler aktiv
Graumarktgeschäfte betrieben hat, wie DaimlerChrysler im Falle des Neudenauer Spediteurs
Gerhard Schweinle sogar einen Mitarbeiter im Hause Schweinle platziert hat und der hat
Graumarktgeschäfte für DaimlerChrysler arrangiert. Und es kam dann zum Strafverfahren
gegen Herrn Schweinle, wo dann vorgeworfen wurde, Herr Schweinle hätte DaimlerChrysler
betrogen. Herr Zetsche war einer der Zeugen in diesem Strafverfahren. Und der, jetzt im
Falle von DaimlerChrysler natürlich brisante Fall, ist der Fall Zetsche. Dass ein
damaliger Vertriebsvorstand der DaimlerChrysler AG, der kommende Vorstandsvorsitzende der
DaimlerChrysler AG, womöglich dazu beigetragen hat, durch eine Faschdarstellung den Herrn
Schweinle ins Gefängnis zu bringen.«
SK: »Das Buch, Das
Daimler-Desaster, ist mit einer Auflage von 12.000 Exemplaren erschienen. Jürgen
Grässlin rechnet aber damit, dass sein Buch eventuell schon bald wieder per Einstweiliger
Verfügung aus dem Handel genommen werden könnte.«
JG: »Das ja der Konzern ja
eigentlich üblicherweise nicht notwendig. Aber es scheint sie doch sehr zu treffen, dass
meine Vorwürfe in dem Buch sehr differenziert, ich denke gut recherchiert, dargelegt
sind, so dass Buch schon einen gewissen Sprengsatz birgt.«
[Anm.: Die Startauflage des »Das
Daimler-Desaster« beträgt 30.000 Exemplare.]
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